Watt erleben!

Und hier ein paar allgemeine Informationen...

...übers Watt

Das faszinierende Wechselspiel von Ebbe und Flut legt an der Küste der südlichen Nordsee zweimal täglich etwa fünftausend Quadratkilometer Meeresboden frei - das Watt.

Auf den ersten Blick scheint sich dem unerfahrenen Wattwanderer hier eine riesige Schlick- und Sandwüste ohne Leben aufzutun; selbst die gekringelten Würmer auf dem Boden zerfallen unter seinen Händen zu Sand.
Es bedarf schon eines zweiten, genaueren Blickes, um den Tieren und Pflanzen dieses Lebensraumes auf die Spur zu kommen, leben hier doch die meisten Muscheln und Würmer im Boden eingegraben.  Fische und Krebse erscheinen erst mit dem Flutwasser auf dem Watt und ziehen sich bei Ebbe in tieferes Wasser zurück. Die Pflanzen schließlich sind vor allem durch mikroskopisch kleine Algen vertreten.
Und doch gehört dieses auf den ersten Blick so leblose Watt zu den biologisch produktivsten Lebensräumen unserer Erde, wie wissenschaftliche Untersuchungen zeigen. Bis zu einer Million einzelliger Algen pro Quadratzentimeter und über fünfzigtausend kleine Krebse und Schnecken pro Quadratmeter wurden gezählt. Viele Nordseefische wie Scholle und Hering nutzen in ihren ersten Lebensjahren diesen Nahrungsreichtum. Im Herbst und Frühjahr finden hier einige Millionen durchziehende Wat- und Wasservögel einen reichgedeckten Tisch.

Daß sich diese großartige Naturlandschaft bei uns in Mitteleuropa erhalten konnte, verdankt das Wattenmeer wohl vor allem - wie auch das Hochgebirge - den eher menschenfeindlichen Kräften der Natur, die bis jetzt eine intensive Nutzung dieses Raumes verhinderte. Doch das alles kann bald vorbei sein: die Industrie drängt zur Küste, das Nordseewasser wird zunehmend stärker verschmutzt, Erdölbohrungen werden vorgenommen, Windenergiegewinnung und Seeschifffahrt wachsen enorm und unnötig große Eindeichungsprojekte bedrohen wertvolle Teile des Wattenmeeres. Selbst der Fremdenverkehr läuft bei ungezügeltem Wachstum Gefahr, sein eigenes Kapital - eine natürliche Landschaft - zu zerstören.  

... über den Nationalpark

Seit 1986 gibt es den 240.000 Hektar großen Nationalpark Niedersächsischen Wattenmeer, dessen Gebiet sich entlang unserer Küste von Emden bis Cuxhaven erstreckt. Er ist eingerichtet worden, damit die Natur weitestgehend sich selbst überlassen bleibt und die natürlichen Entwicklungen so ungestört wie möglich von menschlichen Einflüssen verlaufen können. Zwar gab es in diesem Gebiet auch früher schon vielfältige Naturschutzgebiete, aber erst der Nationalpark durch seine große zusammenhängende Fläche und seine vielfältigen Schutzbestimmungen bietet zumindest eine Chance, diese hochgesteckten Ziele zu erreichen.
Sein Schutzkonzept umfaßt im wesentlichen drei Zonen gestaffelter Schutzintensität, in denen bestimmte Nutzungen unter Berücksichtigung der Naturschutzbelange erlaubt sind. Eine Generalklausel besagt, dass alle Handlungen verboten sind, die den Nationalpark oder einzelne seiner Bestandteile zerstören, beschädigen oder verändern.

Wenn auch im Allgemeinen über die Jahre die Akzeptanz des Nationalparks gewachsen ist, gibt es im Detail immer wieder erbitterten Streit zwischen den einzelnen Interessengruppen (Landwirtschaft, Fischerei, Tourismus, Küstenschutz, Naturschutz, ...) um die konkreten Ausgestaltungen und Weiterentwicklungen der Schutzbestimmungen. Und leider erfahren wir auch immer wieder, dass es vielfältige Probleme gibt (insbesondere die industrielle Belastung und der daraus resultierende Schadstoffeintrag und die Fragen im Zusammenhang mit der Schiffssicherheit), denen mit dem Schutzinstrument Nationalpark allein nicht beizukommen ist...
Schließlich sei noch erwähnt, dass es auch ausdrückliches Ziel des Nationalparks ist, sein Gebiet der Bevölkerung zugänglich zu machen, soweit dies mit dem Schutzzweck vereinbar ist.

...über Sicherheit

Wattführungen dürfen nur von amtlich zugelassenen Wattführerinnen und Wattführern durchgeführt werden.
Im Rahmen  der befristeten Zulassung - und bei deren regelmäßiger Verlängerung - weisen die Antragsteller ihre Befähigung nicht nur durch Vorlage von Gesundheits-, Schwimm- und Führungszeugnis sowie Nachweis einer Erste-Hilfe-Ausbildung nach, sondern sie unterziehen sich auch einer umfangreichen Sachkundeprüfung. Wattführerinnen und Wattführer kennen das Gebiet ihrer Tätigkeit "wie ihre Westentasche"; sie planen ihre Wanderungen mit Bedacht und führen sie sicher durch. Weil sie natürlich immer die aktuelle Wind- und Wettersituation beachten, kann es auch schon einmal passieren, daß eine Wanderung aus Sicherheitsgründen kurzfristig abgesagt werden muß.
Bei den Wanderungen führt der Wattführer eine umfangreiche Sicherheitsausrüstung mit. Selbstverständlich besteht Funk- oder Telefonkontakt zu Insel oder Festland.
Die meisten der aktiven Wattführerinnen und Wattführer haben sich in der Wattführergemeinschaft Niedersächsische Nordseeküste zusammengeschlossen, die die Interessen der Wattführerinnen und Wattführer vertritt und deren Aus- und Weiterbildung fördert, um das Risiko von Unfällen im Watt zu verringern.

...über meine Schwerpunkte

Unter dem Motto "Watt erleben!" ist es mein Ziel, Ihnen das Wattenmeer vielseitig und interessant nahezubringen. Nicht trockenes Erklären, sondern gemeinsames Entdecken und Erleben stehen im Mittelpunkt. Umso mehr Sie mir über Ihre Vorerfahrungen, Kenntnisse und Interessen mitteilen, desto besser kann ich mich auf Ihre Erwartungen einstellen.
Im Mai 2001 hat mir die Bezirksregierung Weser-Ems die Auszeichnung "Nationalpark-Wattführer" verliehen. Diese Zertifizierung beinhaltet die verbindliche Teilnahme an regelmäßigen Fortbildungen und kollegialen Beratungen und fördert den laufenden Kontakt zu anderen Wattführerinnen und Wattführern sowie zur Nationalpark-Verwaltung. Ich sehe darin eine hervorragende Möglichkeit, methodisch und fachlich "auf dem laufenden" zu bleiben und dazuzulernen.
Wenn Sie sich einer meiner Wattführungen anschließen, werde ich Ihnen die Besonderheit und die Schönheit dieses Lebensraumes darstellen, aber auch von seiner Bedrohtheit sprechen. Mein Wunsch ist, daß Sie "Watt erleben" - eindrücklich, anschaulich, für Natur begeisternd. Denn ich gehe davon aus, daß wir alle nur schützen können, was wir kennen und schätzen gelernt haben...

Auf Wiedersehen im Watt!

Wattführer Carsten Heithecker
Lütt Slurpad 8
26474 Spiekeroog

Tel. und Fax: 04976/912070
C.Heithecker@watt-erleben.de

zurück zur Startseite